Dies und Jenes

Allwäg kwösoo, allwäg kwösoo grüasst ma z Schaa zor Fasnachtszit, well dr Jörga-Seppa Juli het soo met da Lüt no gredt. Plunderhüüsler, Röfischrenzer geend dr muskaalisch Trett, wenn sie bloosend und trompeetend, macht das ganze Dorf halt met.

Quelle: Gemeindearchiv Schaan

 

 

Anonymer Leserbrief – Liechtensteiner Volksblatt, 24.02.1923

Wir können nicht unterlassen der Schaaner Faschingszeitung „Eselstuhl“ noch einen Nachruf zu widmen und öffentlich unsere Meinung zu sagen, hat sich doch genannte Verwaltung auch nicht gescheut, öffentliche Beleidigungen zu bringen. Ein gutes Witzblatt lesen auch wir gerne, aber nicht eines dieser Sorte.

Wir erwarten von unserer Regierung, dass sie diesem lieblosen Treiben Einhalt gebietet und Verleumdungen nach Gebühr bestraft; solche Zeitungen sollten vor der Ausgabe viel strenger geprüft werden und nicht jede beliebige Verleumdung und Verdrehung annehmen dürfen. Wir fragen euch denn, liebe Landsleute und Mitbürger, wie lange ist es schon erlaubt, dass man öffentliche Beleidigungen bringen und sie hinausschicken darf, bis weit über die Grenzen des Landes? Ist es erlaubt, dass man kranke heute wegen ihrem Gebrechen öffentlich verspotten darf? Ist es erlaubt, dass man alte, ehrenwerte Bürger beleidigt, wo es doch heisst:  „Ehret das Alter!“ Ist es erlaubt, dass man unbescholtenen Frauen und Mädchen Fehler andichtet, die sie gar nicht haben; dass man über sie Gedichte und Geschichten erfindet, die gar nie gewesen, oder sich ganz anders verhalten? Ist es erlaubt, dass man brave, tüchtige Arbeiter öffentlich verspottet? Ist es schön und lobenswert, wenn man einen katholischen Verein, wie der Jungfrauenverein Schaan, vor dem ganzen Lande zum Gespötte hat und ihm Scheinheiligkeit vorwirft, weil die Mitglieder desselben nicht einen jeden heiraten, der über die Gasse läuft?

Liebe Landsleute, wir fragen euch, sind das Witzblätter, die solche Beleidigungen bringen? Der Grossteil unserer Bevölkerung verurteilt solche Gebahren, wo der gute Ruf des Nächsten untergraben wird. Solche Blätter verursachen Unfrieden zwischen Freunden, zwischen Nachbarn und Familien.

Viele Bürger und Bürgerinnen von Schaan.