Fasnacht in Liechtenstein

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Das Fasnachtsgeschehen ist bei uns auf die sechs Tage vor Aschermittwoch festgelegt. Der Termin der Fasnacht bezieht sich also auf die Fastenzeit und damit auf den kirchlichen Kalender.

In der Fasnacht stehen das Vergnügen, das Essen und Trinken im Mittelpunkt und die gesellschaftlichen Normen sind für viele einige Tage ausser Kraft gesetzt.

Heute machen sich auch in unserer heimischen Fasnacht überall fremde Einflüsse bemerkbar. Sie kommen vor allem vom rheinischen Karneval und von der Schweizer Fasnacht. Manches einheimische Fasnachtsbrauchtum ist dadurch in den Hintergrund gedrängt worden, und Guggenmusik und Büttenredner haben ihren Einzug gehalten.

Am Schmutzigen Donnerstag beginnt die eigentliche Fasnacht. In den folgenden sechs Tagen bis Aschermittwoch verdichtet sich das fasnächtliche Treiben mehr und mehr. Der Schmutzige Donnerstag hat gegenüber den anderen fasnächtlichen Tagen mit dem „Suppenhafenstehlen“ und dem „Ruassla“ seine Besonderheiten. Während das erstere nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie früher gepflegt wird und selten geworden ist, erfreut sich das „Ruassla“ vor allem bei den Kindern nach wie vor grosser Beliebtheit.

In einigen Gemeinden des Landes gibt es Fasnachtsumzüge. Sie sind die spektakulären Höhepunkte auf dem fasnächtlichen Schauplatz eitler und vergänglicher Freuden. Die Hauptelemente eines Umzuges bilden buntes Maskentreiben von Jung und Alt und die Fasnachtswagen, die bühnenartig an den Zuschauern vorbeiziehen und Ereignisse aus Politik und Zeitgeschehen humorvoll und ironisch darstellen.

Die grössten Umzüge finden heute in Schaan, Vaduz und in Triesenberg.

Zu einem festen Bestandteil der Fasnachtsumzüge und Fasnachtsunterhaltungen in unserem Lande sind die Guggenmusiken geworden. In Liechtenstein liegen die Anfänge der Guggenmusiken in den fünfziger Jahren als Schweizer Gastgruppen an der Schaaner Fasnacht teilnahmen. Als erste machte die Gruppe „Barfussneger Lozern“ mit. Das Beispiel machte Schule, und im Jahre 1971, erfreute die „Schaaner Guggenmusik“ als erste einheimische Gruppe die Zuhörer mit ihrem infernalischen Lärm. Drei Jahre später folgte die Gruppe „Minigugge“, jetzt „Plunderhüüsler“. Heute gibt es in mehreren Gemeinden Guggenmusiken.

„Röfischrenzer in Schaan (seit 1971), „Plunderhüüsler“ in Schaan (seit 1973), „Ratatätsch“ in Schaan (seit 1998) „Moschtgügeler“ in Triesen (seit 1976), „Wildmanndli-Gugga“ in Triesenberg (seit 1980), „Tuarbaguger“ in Eschen (seit 1982),„Pföhrassler“ in Balzers (seit 1989), „Törmleguger“ in Vaduz (seit 1974)

Eine alte Institution der liechtensteinischen Fasnacht sind die „Fasnachtszeitungen“, die in gewisser Weise die dörflichen „Rügegerichte“ unserer Vorfahren erinnern, wenn sie das Dorf- und Landesgeschehen in humorvoller und witziger Weise kritisch kommentieren. Kaum einer, der sich im verflossenen Jahr etwas zuschulden hat kommen lassen, sei es nun wissentlich oder unwissentlich, kommt hier ungeschoren davon.

Quelle: Adulf Peter Goop: Brauchtum in Liechtenstein ©1986 Liechtensteinische Trachtenvereinigung, Vaduz